Felsstandorte auf silikatischem Gestein

Felsstandorte auf silikatischem Gestein

Felsstandorte auf silikatischem Gestein finden wir in Oberfranken insbesondere in den silikatischen Mittelgebirgen Frankenwald, Bayerisches Vogtland, Münchberger Hochfläche und Fichtelgebirge. Diese Felsstandorte umfassen sowohl die Silkat-Felsspaltenvegetation als auch die Pioniervegetation der Silikat-Felsgrus- und Felsband-Gesellschaften. Oft handelt es sich um anthropogene Felsbildungen, wie Steinbrüche oder Aufschlüsse beim Straßenbau, die nach mehrjähriger Sukzession sehr naturnah aussehen können. Sekundäre Mauerstandorte sollen getrennt dargestellt werden (--> Mauern).

RomansfelsenRomansfelsen bei Bernstein, Frankenwald

Es stehen unterschiedliche Gesteine an, im Frankenwald v. a. Schiefer und Diabas, im Bayerischen Vogtland Diabas und Keratophyr, auf der Münchberger Hochfläche Gneis und Eklogit, auf der Selb-Wunsiedler Hochfläche Granit und Basalt sowie Granit im Fichtelgebirge. Die unterschiedlichen Ausgangsgesteine bestimmen mit ihren unterschiedlichen Verwitterungseigenschaften u. a. den Feinerde- und Basenreichtum und somit die Zusammensetzung und den Artenreichtum der Lebensräume.

Die silikatischen Felsstandorte sind artenärmer als die kalk- oder dolomithaltigen Felsstandorte des Jura. Neben Flechten und Moosen sind oft nur noch wenige Farn- und Blütenpflanzen am Vegetationsaufbau beteiligt.

Die Ordnung der Silikat-Felsspaltengesellschaften (Androsacetalia multiflorae) umfasst im Gebiet zwei Verbände,  die eigentliche Silikat-Felsspaltenvegetation (Asplenion septentrionale) und als Sonderfall die Serpentin-Felsvegetation (Asplenion serpentini), die sich auf dem Serpentinit-Gestein der Münchberger Hochfläche findet. (--> Serpentin-Strichfarn-Gesellschaft).

Schlafender_Riese                                         Schlafender Riese bei Schauenstein                                                                       (Münchberger Hochfläche)

Die Silkat-Felsspaltenvegetation

Sie ist an sonnseitigen Felsen optimal ausgeprägt und zeichnet sich durch Feinerdearmut, Trockenheit und hohen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht aus. Die Charakterart des Verbands der Silikat- Felsspaltenvegetation ist Asplenium septentrionale (Nördlicher Streifenfarn). Weitere charakteristische Chasmophyten (Felsspaltenbesiedler) sind die Farne Asplenium trichomanes (Braunstieliger Streifenfarn), Polypodium vulgare (Gewöhnlicher Tüpfelfarn) und Woodsia ilvensis (Südlicher Wimperfarn), der lange in Oberfranken als verschollen galt, aber 2012 im Höllental (Frankenwald) wieder entdeckt worden ist. Die Gesellschaften sind in unserem Gebiet nicht optimal ausgebildet, einige typische Vertreter, wie z. B.  Asplenium adiantum-nigrum (Schwarzstieliger Streifenfarn) fehlen. Voraussetzung für das Auftreten dieser Farne ist ein gewisser Basenreichtum des Gesteins, weshalb sie auf basenarmen Gneis der Münchberger Hochfläche und Granit des Fichtelgebirges regelmäßig ausfallen. Auffallend ist der Reichtum an Flechten und Moosen.

Felsflur mit Braunstieligem Streifenfarn, Gewöhnlichen Tüpfelfarn und Zerbrechlichen Blasenfarn am Burgstall bei Bernstein am Wald (Frankenwald)

Charakteristisch an höheren Pflanzen sind z. B. Epilobium collinum (Hügel-Weidenröschen), Campanula rotundifolia (Rundblättrige Glockenblume), Geranium robertianum (Stinkender Storchschnabel) oder das im Frankenwald sehr seltene Hieracium schmidtii (Blasses Habichtskraut).

Mit zunehmender Beschattung der Felsen tritt an basenreichen Standorten Cystopteris fragilis (Zerbrechlicher Blasenfarn) zusammen mit Polypodium vulgare (Gewöhnlicher Tüpfelfarn) und Dryopteris filix-mas (Wurmfarn) anstelle von Asplenium septentrionales (Nördlicher Streifenfarn).

Die Kontaktgesellschaften sind vielfältig: Wälder, Zwergstrauchheiden, Rasengesellschaften. Am Felsfuß können sich herausgewitterte Bruchstücke sammeln und Schuttfluren bilden. An Absätzen im Fels und auf den Felsköpfen kann sich vermehrt Feinerde sammeln und die Voraussetzung für einen üppigeren Pflanzenbewuchs schaffen. Diese Pioniervegetation gehört zu dem Verband der Silikat-Felsgrus- und Felsband-Gesellschaften.

                                     Granitfels am Nußardt (Fichtelgebirge)

Silikat-Felsgrus- und Felsband-Gesellschaften
(Polytricho-Festucion pallentis)

Der Verband gehört zur Ordnung der mauerpfefferreichen Pioniergesellschaften (Sedo-Scleranthetalia). Als Verbandscharakterart gilt Scleranthus perennis (Ausdauernder Knäuel). Hochsteter Begleiter ist Rumex acetosella (Kleiner Sauer-Ampfer). Als einzige im Gebiet vorkommende Assoziation (Pflanzengesellschaft) (mit typischer Artenkombination) ist die Pfingstnelken- Bleichschwingel-Flur (Diantho gratianopolitani- Festucetum pallentis) zu nennen. Sie ist nur im Frankenwald, z. B. an den Felsen des Höllentals auf Diabas an wenigen Stellen relativ gut ausgebildet.

Neben Dianthus grationapolitanus (Pfingst-Nelke) tritt als Ordnungscharakterart sehr selten Festuca pallens (Bleicher Schwingel) hinzu. Als weitere Arten können auftreten:
Pfingstnelkenflur
Pflanzen der Felsspalten
siehe oben

Pionierpflanzen, Pflanzen der Sand- und Felsrasen
Sedum acre (Scharfer Mauerpfeffer)
Sedum sexangulare (Milder Mauerpfeffer)
Sedum rupestre (Felsen-Fetthenne)
Sedum album (Weiße Fetthenne)
Sedum telephium (Purpur-Fetthenne)
Sedum maximum (Große Fetthenne)
Sedum spurium (Kaukasus-Fetthenne)
Erophila verna (Frühlings-Hungerblümchen)
Jasione montana (Berg-Sandköpfchen)
Veronica verna (Frühlings-Ehrenpreis)

Pflanzen aus Magerrasen und Heiden
Festuca ovina L. s. str. (Echter Schaf-Schwingel)
Silene viscaria (Gewöhnliche Pechnelke)                               Pfingstnelkenflur am König David, Höllental (Frankenwald)
Potentilla argentea (Silber-Fingerkraut)
Galium pumilum (Niederes Labkraut)
Antennaria dioica (Gewöhnliches Katzenpfötchen)
Hypericum maculatum (Geflecktes Johanniskraut)Straßenaufschluss bei Feilitzsch
Luzula campestris (Feld-Hainsimse)
Trifolium arvense (Hasen-Klee)
Myosotis stricta (Sand-Vergißmeinnicht)
Myosotis ramosissima (Hügel-Vergißmeinnicht)
Dianthus deltoides (Heide-Nelke)
Pimpinella saxifraga (Kleine Bibernelle)
Euphorbia cyparissias (Zypressen-Wolsmilch)
Potentilla tabernaemontani (Frühlings-Fingerkraut)
Calluna vulgaris (Besenheide)
Vaccinium myrtillus (Heidelbeere)

Pflanzen der Säume
Clinopodium vulgare (Wirbeldost)
Vincetoxicum hirundinaria (Schwalbenwurz)
Poa nemoralis (Hain-Rispengras)
Polygonatum odoratum (Salomonssiegel)

Sonstige
Deschampsia flexuosa (Draht-Schmiele)                               Straßenaufschluss bei Feilitzsch
Echium vulgare (Blauer Natterkopf)
Poa compressa (Flaches Rispengras)
Hieracium murorum (Wald-Habichtskraut
Anthemis tinctoria (Färber-Hundskamille)Schiefer mit Nordischen Streifenfarn
Hieracium pilosella (Kleines Habichtskraut)
Veronica officinalis (Wald-Ehrenpreis)
Arenaria serpyllifolia (Quendel-Sandkraut)

Sträucher
Genista germanica (Deutscher Ginster)
Genista tinctoria (Färber-Ginster)
Cytisus nigricans (Schwarzwerdender Geißklee)

Sehr selten auf Diabas im Bayerischen Vogtland
Scleranthus polycarpos (Triften-Knäuel)
Veronica dillenii (Dillenius’ Ehrenpreis)
Holosteum umbellatum (Spurre)
Koeleria macrantha (Zierliche Kammschmiele)
Spergula morisonii (Frühlings-Spark)

Schiefer mit Nordischen Streifenfarn und Wurmfarn bei Dürrenwaid (Frankenwald)

Die Felsstandorte sind nach dem Bayerisches Naturschutzgesetz (BayNatSchG) geschützt. Sie stellen flächenmäßig nur einen sehr geringen Anteil an der Gesamtfläche dar, beherbergen aber viele spezialisierte und seltene Pflanzen. Gefährdet sind die Flächen durch Gesteinsabbau, Nährstoffeintrag aus der Luft und Störungen durch Freizeitaktivitäten. Durch Felsfreistellungen kann der Lebensraum für die auf Felsen angewiesenen Tiere und Pflanzen verbessert werden.

Links:
Lebensraumtypen gemäß FFH-Richtlinie -> www.bfn.de/0316_typ_lebensraum.2.html
Lebensraumtyp “Silikatfelsen und ihre Felsspaltenvegetation” -> www.bfn.de/0316_typ8220.2.html
Lebensraumtyp “Silikatfelskuppen mit ihrer Pioniervegetation” -> www.bfn.de/0316_typ8230.2.html
BLACHNIK, T (2012): Untersuchungen zur Revitalisierung von Felspioniervegetation – Sedum spurium als invasiver Neophyt im Saaletal bei Hof. Unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), 36 S. m. 47 Abb. u. 10 Tabellen + Anhang, Augsburg.

letzte Änderung:
2015-04-08
frieder@t-online.de

 

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