Ruderalflora

Ruderalflora der Münchberger Hochfläche

Exkursion am 12. August 2007, Helmbrechts-Edlendorf-Schwarzholzwinkel
Frankenwaldverein Helmbrechts und Bund Naturschutz Helmbrechts/Schauenstein
Thomas Friedrich, Albert-Schweitzer-Str. 1, 95233 Helmbrechts, Tel. 09252 8125, email: frieder@t-online.de

Die Ruderalflora finden wir auf offenen, durch den Menschen veränderten oder gestörten Standorten (Siedlungen, Industrieflächen, Entsorgungsflächen, Verkehrswege). Störungen bedeuten die Zerstörung der ganzen oder nur eines Teiles der Vegetation durch beispielsweise regelmäßiges Betreten oder Befahren, Aufschütten von Erdreich oder Schotter, Bodenabtragungen usw.
Definition nach Brandes 1985, Brandes & Griese 1991 (http://www.ruderal-vegetation.de/wasistdas.htm): “Ruderalvegetation ist die vorwiegend krautige Vegetation anthropogen stark veränderter und/oder gestörter Wuchsplätze, sofern diese weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt werden.”
“Ruderal” leitet sich vom lateinischen Begriff “rudus” ab, was Schutt, Ruinen oder Mörtelmassen bedeuten kann. Die Ruderalflora ist i. a. sehr artenreich. Sie beherbergt eine große Zahl an Neophyten (Neubürgern) oder Adventivpflanzen (unbeständige, z. B. nicht frostharte Pflanzen). Die Ruderalflora der Münchberger Hochfläche ist gegenüber wärmebegünstigteren Landschaften aber artenärmer.

Beispiele für Ruderalfluren der Münchberger Hochfläche

Trittfluren

  • Mastkraut-Trittgesellschaft: Niederliegendes Mastkraut (Sagina procumbens) ist Charakterart der Mastkraut-Trittgesellschaft zusammen mit dem Silbermoos (Bryum agenteum), typisch für gepflasterte Flächen in Städten. Bemerkenswerte Vorkommen von Behaartem Bruchkraut (Herniaria hirsuta) in Helmbrechts (Alte Post Straße) und Portulak (Portulaca oleracea) in Helmbrechts (Pressecker Straße)
  • Vogelknöterich-Trittgesellschaft: zusammengesetzt aus Strahlenlose Kamille (Matricaria discoidea), Vogel-Knöterich (Polygonum arenastrum), Einjähriges Rispengras (Poa annua), Breitblättriger Wegerich (Plantago major)
  • Weidelgras-Wegerich-Trittgesellschaft: zusammengesetzt aus Ausdauernder Lolch (Lolium perenne), Breitblättriger Wegerich (Plantago major), Weiß-Klee (Trifolium repens), u. a.
  • Trittrasen mit Einjährigem Rispengras (Poa annua): nährstoffreicher, schattiger stehend, oft nur aus namensgebender Art zusammengesetzt
  • Spörgel-Bruchkraut-Trittgesellschaft: wärmeliebend auf Sand und Schotter mit Rote Schuppenmiere (Spergularia rubra), Kahles Bruchkraut (Herniaria glabra): sehr selten
  • Wegerich-Brunellen-Gesellschaft: an Waldwegen mit Kleine Braunelle (Prunella vulgaris) u. a.

Kurzlebige Ruderalfluren (Pionierfluren)

  • Weißer-Gänsefuß-Flur: mit dem Weißen Gänsefuß (Chenopodium album) als dominierte Art
  • Huflattich-Pionierflur: mit dem Huflattich (Tussilago farfara) als dominerende Art
  • Kompass-Lattich-Flur: mit Kompass-Lattich (Lactuca serriola), Kanadischem Berufkraut (Conyza canadensis) und Klebrigem Greiskraut (Senecio viscosus) als Charakterarten. Wärmeliebende Gesellschaft auf sandig-kiesigen und steinigen, feinderdearmen und nicht zu nährstoffreichen Böden (z. B. Bahnschotter, Parkplätze, Industrieflächen)

Ausdauernde Ruderalfluren und Säume frischer, stickstoffreicher Standorte

Anthropogene Steinfluren

Wir beginnen unsere Exkursion in Helmbrechts am “Busbahnhof”, Pressecker Str. bei den Felsenkellern. Am Parkplatz und am Weg- und Straßenrand finden wir eine Trittflur:
Breit-Wegerich (Plantago major)
Rote Schuppenmiere (
Spergularia rubra)
Gewöhnlicher Vogelknötrich oder Trittrasen-Knöterich (
Polygonum arenastrum)
Sumpf-Ruhrkraut (
Gnaphalium uliginosum)
Aufrechter Sauerklee (
Oxalis stricta)
Rauhe Gänsedistel (
Sonchus asper)
Löwenzahn (
Taraxacum spec)
Gewöhnliches Ferkelkraut (
Hypochaeris radicata)
Portulak (
Portulaca oleracea)

An den Mauern der Felsenkeller wächst die Mauerrautenflur mit:
Mauerraute (Asplenium ruta-muraria)
Hügel-Weidenröschen (
Epilobium collinum)
Gelber Lerchensporn (
Pseudofumaria lutea): hier lokal eingebürgert

Wir laufen stadteinwärts, nach links in die Luitpoldstraße. An der Rathaustreppe finden wir u. a.
Niederliegendes Mastkraut (Sagina procumbens)

Von der Luitpoldstraße biegen wir nach rechts in die Alte-Post-Straße. Gleich rechts auf beschattetem Pflaster wächst die Gesellschaft des Einjährigen Rispengrases:
Einjähriges Rispengras (Poa annua)
Mauerlattich (
Mycelis muralis)
Löwenzahn (
Taraxacum spec)
Kohl-Gänsedistel (
Sonchus oleraceus)

Etwas weiter auf baumbeschatteten Mauerfuß:
Große Brennnessel (Urtica dioica)
Garten-Wolfsmilch (
Euphorbia peplus)
Ruprechtskraut (
Geranium robertianum)

In Pflasterfugen am Ende der Straße befindet sich ein bemerkenswertes Vorkommen von
Behaartes Bruchkraut (Herniaria hirsuta)

Wir biegen nach links in die Münchberger Straße. An einem geschotterten Parkplatz (Münchberger Str. 33) u. a.
Flaches Rispengras (Poa compressa)

Beim Einbiegen nach links in den Gasweg:
Spreizende Melde (Atriplex patula)
Filzige Klette (
Arctium tomentosum)

Wir laufen vor der Tankstelle rechts, bleiben also auf dem Gasweg. Vor der Einmündung zur Frankenstraße links erkennen wir ein kräftiges Gras:
Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea)

50 Meter weiter auf dem Gelände des Autohauses sind die Kompaßlattich-Flur und Steinklee-Flur angedeutet:
Kompass-Lattich (Lactuca serriola)
Kanadisches Berufkraut (
Conyza canadensis)
Klebriges Greiskraut (
Senecio viscosus)
Gewöhnliche Kratzdistel (
Cirsium vulgare)
Weißer Steinklee (
Melilotus albus)
Hoher Steinklee (
Melilotus altissimus)
Gewöhnlicher Beifuß (
Artemisia vulgaris)
Acker-Schachtelhalm (
Equisetum arvense)
Echtes Johanniskraut (
Hypericum perforatum)

Gleich hinter dem Autohaus laufen wir nach links in den Wiesenweg und gehen gleich wieder links auf den Fahrrad- und Fußweg Richtung Schauenstein. An der Böschung zu Beginn links u. a.
Pfennig-Gilbweiderich (Lysimachia nummularia)
Gelbe Resede (
Reseda lutea)
Gewöhnliches Leinkraut (
Linaria vulgaris)

Im weiteren Verlauf links und rechts des Weges die Bergweidenröschen-Rupprechtskraut-Flur:
Berg-Weidenröschen (Epilobium montanum)
Ruprechtskraut (
Geranium robertianum)
Echte Nelkenwurz (
Geum urbanum)

Links vor der Abzweigung zur Robert-Koch-Straße erkennen wir eine Giersch-Brennessel-Flur mit einigen Neophyten:
Giersch, Geißfuß (Aegopodium podagraria)
Große Brennnessel (
Urtica dioica)
Gewöhnlicher Hohlzahn (
Galeopsis tetrahit)
Schmalblättriges Weidenröschen (
Epilobium angustifolium)
Sachalin-Knöterich (
Fallopia sachalinensis)
Kleinblütiges Springkraut (
Impatiens parviflora)
Silber-Goldnessel (
Lamium argentatum)

Wir bleiben aber auf dem Fahrrad- und Fußweg Richtung Schauenstein. An den Böschungen links und rechts u .a.:
Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis)
Mittlerer Klee (
Trifolium medium)
Wiesen-Platterbse (
Lathyrus pratensis)
Gewöhnliche Vogel-Wicke (
Vicia cracca)
Wiesen-Bärenklau (
Heracleum sphondylium)
Doldiges Habichtskraut (
Hieracium umbellatum)

Vor und an der Brücke:
Krauser Ampfer (Rumex crispus)
Stumpfblättriger Ampfer (
Rumex obtusifolius)
Kleinköpfiger Pippau (
Crepis capillaris)

Etwas weiter, links vor der Abzweigung nach Edlendorf u. a.
Gewöhnlicher Klettenkerbel (Torilis japonica)
Rainkohl (
Lapsana communis)

An der Wegkreuzung gehen wir nach rechts Richtung Edlendorf:
Spiraea spec.
Gewöhnliche Schneebeere (
Symphoricarpos albus)
Schwarzer Holunder (
Sambucus nigra)
Kanadische Goldrute (
Solidago canadensis)
u.a.

Gleich am Anfang des Weges eine Beifuß-Rainfarn-Flur:
Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Gewöhnlicher Beifuß (
Artemisia vulgaris)
Acker-Witwenblume (
Knautia arvensis)
Großblütiges Wiesen-Labkraut (
Galium album)

Im weiteren Verlauf zwischen Äckern und Weg eine Kratzdistel-Flur:
Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense)
Gewöhnliche Kratzdistel, Lanzett-Kratzdistel (
Cirsium vulgare)
Drüsiges Weidenröschen (
Epilobium ciliatum)
Acker-Gänsedistel (
Sonchus arvensis)

Am Weg, besser ausgebildet um die Wasseraufbereitung Trittgesellschaften mit Vögelknöterich- und Weidelgras:
Gewöhnlicher Vogelknötrich, Trittrasen-Knöterich (Polygonum arenastrum)
Strahlenlose Kamille (
Matricaria discoidea)
Ausdauerndes Weidelgras (
Lolium perenne)
Breit-Wegerich (
Plantago major)
Einjähriges Rispengras (
Poa annua)
Gewöhnliches Hirtentäschel (
Capsella bursa-pastoris)
Acker-Spark (
Spergula arvensis)
Weißer Gänsefuß (
Chenopodium album)
Herbst-Löwenzahn (
Leontodon autumnalis)
u. a.

Wir laufen weiter und biegen schließlich nach rechts auf die Straße nach Edlendorf. Gleich am Dorfanfang links eine Flur mit dem Guten Heinrich:
Guter Heinrich (Chenopodium bonus-henricus)
Schöllkraut (
Chelidonium majus)
Gänse-Fingerkraut (
Potentilla anserina)

Auf dem Europäischen Fernwanderweg mit dem blauen Andreaskreuz führt uns der Weg durch das “Schwarzholz” zum Wirtshaus “Schwarzholzwinkel”.
 

letzte Änderung:
2015-04-08
frieder@t-online.de

 

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